ein Ziel der LieblingsSpeis

Zero Waste, also null Abfall, welch eine utopische Vorstellung! Beobachten wir uns selbst einen Tag lang, fällt rasch auf, dass wir ganz schön viel Abfall produzieren: Wir entsorgen leere Packungen, geben die alte Zeitung ins Altpapier, werfen die Bananenschale in den Biomüll, schmeißen das Taschentuch in den Mistkübel und entledigen uns des leeren Papiersackerls vom Bäcker. Umso beeindruckender finde ich es, zu lesen, dass es manche Menschen ja wirklich schaffen, beinahe Zero Waste zu verursachen, beispielsweise Bea Johnson (sie gilt als Gründerin der Zero Waste-Bewegung), Lauren Singer, oder Annemarie Miesbauer.

Heute will ich euch erzählen, was unser Angebot als LieblingsSpeis punkto Zero Waste bzw. Less Waste, also weniger Abfall, ist. Doch beginnen wir von vorne:

Zero Waste: Auch kleine Schritte zählen

Ja, Zero Waste ist eine Utopie. Dennoch können wir alle mit kleinen Schritten und ohne Zwang da und dort Handlungen setzen, die uns der Utopie näherbringen. Hier möchte ich auf Andreas Sator verweisen, der in seinem Buch „Alles Gut?!“ (dem wirklich empfehlenswerten Buch möchte ich ein andermal einen ganzen Blogartikel widmen) beschreibt, dass wir als einzelne die Welt nicht retten können (und das auch gar nicht unsere Aufgabe ist). Wir können jedoch durch unser Verhalten Signale an die Umwelt aussenden. Durch diese kleinen Signale können wir auf unser Thema aufmerksam machen und Verhaltensänderungen anstoßen– und natürlich früher oder später auch die Politik erreichen.

Vom Nachdenken zur Verhaltensänderung

Ich gebe euch ein konkretes Beispiel: Meine ehemalige Arbeitskollegin, Olivia Padelewski, brachte stets ihren Kornspitz in einem dünnen Baumwoll-Sackerl mit ins Büro. Die Papiertaschentücher zog sie nie aus einer Plastikverpackung, sondern hatte sich ein Tascherl zurechtgelegt, in welches sie die Taschentücher aus der 100er-Packung gab. Das Mittagessen kam aus dem eigenen Rex-Glas. Nur die Nascherei danach war in Plastik verpackt. Olivia war (und ist) es wichtig, Müll zu vermeiden. Zu Beginn registrierte ich ihr Sackerl fürs Gebäck, machte mir allerdings nicht groß Gedanken drüber. Irgendwann kamen wir auf das Thema zu sprechen, und ich fand es spannend, wie konsequent sie ihr Konsumverhalten Richtung Zero Waste steuerte. Und irgendwann war auch ich so weit: Ihr Verhalten brachte mich nicht nur zum Denken, sondern auch dazu, selbst mit Stofftascherln ausgerüstet zum Bäcker zu gehen. Eigentlich ist es ja gar nicht so schwer, da und dort ein Plastik- oder Papiersackerl einzusparen.

Es fühlt sich gut an, verpackungsfrei einzukaufen

Wie ihr hier nachlesen könnt, waren Armin und ich in Wien bei einer Foodcoop, einer Lebensmittelkooperative. Wir bezogen in der Foodcoop die Produkte direkt von den Landwirt*innen, entweder verpackungsfrei (Gemüse, Obst) oder in (Pfand-)Großgebinden, von denen sich jedes Mitglied schließlich die benötigten Mengen in eigene Behältnisse abfüllte. Mit einem Schlag reduzierte sich durch die Foodcoop unser Verpackungsmüll im Haushalt drastisch. Keine eingeschweißten Gurken, Zwiebeln im Netz, Ruccola im Plastiksackerl mehr! Einfach genial.

Der Beitrag der LieblingsSpeis zu Zero Waste

Wir möchten genau diesen Gedanken, den Verpackungsmüll bestmöglich zu reduzieren auch in der LieblingsSpeis leben. Deshalb haben wir uns auf zwei Ebenen überlegt, wie wir im Rahmen der LieblingsSpeis Verpackungsmüll reduzieren können:

Wir als LieblingsSpeis beim Bezug der Bio-Produkte für unser Sortiment:

  1. Wir kaufen direkt von den Bio-Produzent*innen, wodurch unsere Lieferungen ohne unnötige Folierungen zu uns gelangen
  2. Unsere Bio-Frischware (Gemüse, Obst, Brot, Gebäck, Milch- und Fleischprodukte) wird in großen Mehrwegkisten angeliefert. Hier fällt keine extra Verpackung an
  3. Bio-Lagerware (z.B. Müslis, Nudeln, Linsen, Reis, Datteln etc.) kaufen wir in Großgebinden (Säcke von 5-25 kg) und füllen die Produkte anschließend in Papiersackerl ohne Kunststoffbeschichtung um
  4. Nicht alle unserer Produkte sind in Großgebinden verfügbar. Wir sind mit unseren Bio-Lieferant*innen diesbezüglich im Gespräch und ermutigen sie, es in der LieblingsSpeis mit Großgebinden zu versuchen
  5. Wir möchten, gemeinsam mit den Bio-Produzent*innen, auf einen größeren Pfandanteil bei den Verpackungen hinarbeiten und Einwegverpackungen weiter reduzieren
  6. Wo möglich und von den Hygienevorschriften her zulässig verzichten wir auf Einweghandtücher und verwenden stattdessen heiß waschbare Stofftücher
  7. Zero Waste bedeutet natürlich auch, keine Lebensmittel zu entsorgen. Dies gelingt uns dank eurer Vorbestellungen sehr gut, denn sie helfen uns, die richtigen Mengen an Bio-Frischware zu bestellen. Uns ist wichtig, dass ihr Obst und Gemüse lose vorfindet und nur so viel kaufen müsst, wie ihr wirklich braucht. Wir als Bioladen bestellen für den Direktverkauf nur so viel zusätzlich, wie wir notfalls auch selbst verbrauchen, einkochen oder einfrieren könnten

Unser Angebot an euch, damit ihr daheim weniger Verpackungsmüll habt:

  • Statt automatisch zur ungebrauchten Papier-Einkaufstasche zu greifen, fragen wir euch, ob wir euch kostenfrei eine Stofftasche leihen oder eine gebrauchte Papiertasche geben dürfen. Wir tüfteln übrigens bereits an einem Pfandsystem mit einheitlichen Stofftaschen (sowohl fürs Gemüse als auch für den Gesamteinkauf), um euch hier überhaupt eine gute Alternative zu den Papiersackerln anbieten zu können
  • Grundsätzlich füllen wir die Vorbestellungen ausschließlich in ungebrauchte Papiersackerl, bzw. in Ausnahmefällen in gut gereinigte Schraubgläser ab. Gerne machen wir hier aber Ausnahmen:
    • Wir freuen uns, wenn ihr leere Schraubgläser oder bereits benützte Papiersackerl vorbeibringt, die wir fürs Zusammenstellen eurer Bestellungen nützen können (hier notieren wir uns einfach den Namen dazu)
    • Mittels Kommentarfunktion könnt ihr uns gerne beim Bestellen schon dazuschreiben, wenn ihr eure Produkte lieber in Schraubgläser statt neue Papiersackerl abgefüllt haben möchtet, wenn wir für euren Einkauf gebrauchte Sackerl verwenden dürfen, wenn ihr kein Etikett auf eurem Getreidesackerl benötigt, etc.
    • Selbstverständlich könnt ihr freitags leere Behältnisse mitbringen, in die wir euren Einkauf oder eure Vorbestellungen einfüllen (z.B. können wir so Bio-Spaghetti direkt in eure Spaghettidose füllen! Und damit ihr vor Ort nicht zu lange warten müsst, ist es natürlich fein, wenn wir bis zum darauffolgenden Freitag Zeit bekommen, euch euren Einkauf abzufüllen)
  • Es hilft dem Gedanken von Zero Waste weiters ungemein, wenn ihr mit Körben und Stoffsackerl einkaufen kommt, in die wir z.B. den Bio-Salat oder das Bio-Brot reinlegen können
  • Bei allem genannten ist uns wichtig, zu betonen, dass wir euch sehr gerne Papiersackerl und Einschlagpapier für eure Einkäufe zur Verfügung stellen. Wir haben uns bewusst für (Kraft-)Papier als Verpackungsmaterial entschieden, da es aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird und recyclingfähig ist. Niemand braucht sich schlecht zu fühlen, wenn er/sie in der LieblingsSpeis zu neuen Sackerln greift, die Stofftasche daheim vergessen hat, oder sich einfach wohler fühlt, wenn die Lebensmittel in neuen Papiersackerln verpackt sind. All jenen, die es gerne anders hätten, sei nur gesagt: Wir sind gerne bei Abfallreduktions-Bestrebungen dabei, „durch’s Reden kuman d’Leit zam“

Erste Erfolge

Ehrlich gesagt sind wir recht stolz, wenn wir am Ende eines LieblingsSpeis-Freitag in unsere Mülleimer blicken: Meist findet sich im Altpapier am meisten Abfall (Bestellzettel, Kartonagen, Kassazettel (ja, unsere sind ohne chemische Farbentwickler, d.h. sie können ins Altpapier gegeben werden!)). Ein paar vereinsamte, welke Salatblätter liegen im Biomülleimer. Etwas Einschweißfolie bleibt von den Einmachgläsern zurück. Und im Restmüll landet zumeist Kehricht, Papier mit Tixoresten, Einwegtücher und dergleichen. In Summe wirklich sehr sehr wenig, auch im Vergleich zu anderen Bioläden.

Nähern wir uns gemeinsam der Utopie Zero Waste

Hier sollen unsere Bemühungen jedoch noch nicht enden: Wir möchten Schritt für Schritt den Abfall reduzieren. Hier sind auch eure Ideen und Vorschläge gefragt. Bitte sprecht uns an den LieblingsSpeis-Freitagen an oder schreibt uns an post@lieblingsspeis.at. Gehen wir’s an: Less Waste in der und durch die LieblingsSpeis!

Ein Kommentar

  1. Liebe Elisabeth, lieber Armin!

    Wie schön, dass ihr mich wieder ein bisschen an meine Ambitionen punkto “Less Waste” erinnert. Für mich war es bereits Standard, mit dem eigenen Brotsackerl in die Bäckerei zu gehen – aber dann kam Corona und ein striktes Njet (“Wir dürfen keine mitgebrachten Sackerl mehr angreifen…”). Ja, das waren die frühen Tage, wo man noch glaubte, das Virus wird vor allem durch Berührung übertragen.

    Viele Menschen haben immer noch Angst, Mehrwegverpackungen seien hygienisch bedenklich, und ich verstehe auch, wenn manche Geschäftsleute lieber zu viel Vorsicht walten lassen als zu wenig. Aber für mich ist es nun Zeit, einen neuen Anlauf in Richtung Müllreduktion zu nehmen. Danke, dass ihr dazu ermutigt und es ermöglicht!

    Herzliche Grüße,

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