Der Bezirk Rohrbach ist um ein Stück Vielfalt reicher: Seit ein paar Wochen bietet der Biohof Aichbauer aus Putzleinsdorf Bio-Mozzarella unter dem Namen „Mühlviertler Mozzarella“ an. Dass niemand in der näheren Umgebung Mozzarella herstellt, war mit ein Grund, warum Bettina und Markus auf den Mozzarella gekommen sind: „Wir wollten nicht mit Joghurt und Topfen umliegenden Bio-Höfen Konkurrenz machen, sondern was Neues anbieten“, erzählt Bettina, die als Quereinsteigerin in den Milchviehbetrieb der Familie ihres Mannes gekommen ist.

Bei der Suche nach einem spannenden Milchprodukt war es ihr Cousin Christian Stöbich, bekannt als Käsemeister vom Loisnhof und Hersteller vom köstlichen Berg- und Schnittkäse, der im Herbst 2021 den entscheidenden Hinweis gab: „Weißt du, was hier heroben noch fehlt? Mozzarella!“

Begeistert von der Idee, Mozzarella herzustellen, begannen die Aichbauers zu recherchieren: Wie wird Mozzarella produziert? Und warum gibt es eigentlich so wenige, die im kleinen Stil Mozzarella produzieren? Wo ist da der Haken? Die Antwort war rasch gefunden: Mozzarella herzustellen ist körperlich sehr anstrengend, denn der Mozzarella muss geknetet und gezogen werden und die Arbeit erfolgt mit sehr heißem Wasser. Maschinelle Unterstützung bietet eine Filiermaschine, die wiederum sehr viel Platz braucht.

Den Aichbauers war es wichtig, dass diese „klassische Männerarbeit“, wie Bettina augenzwinkernd erklärt, nicht vollends an Markus hängen bleibt. Deshalb machten sie sich auf die Suche nach einer geeigneten Filiermaschine, die die Schwerarbeit übernimmt. Sie landeten schließlich im Heimatland des Mozzarellas, in Italien: Dort hatten sie großes Glück und fanden bei einem engagierten, freundlichen Maschinenhersteller eine gebrauchte Filiermaschine, die sie schließlich ankauften und nach Putzleinsdorf brachten.

Dann begann das Experimentieren. Der erste Mozzarella war optisch genau so, wie es sich die Familie Aichbauer vorgestellt hatte. Die Freude war groß, doch passte leider der Geschmack nicht. Erst nach acht Durchgängen waren Bettina und Markus mit der Konsistenz und dem Geschmack zufrieden und wussten auch, was in der Herstellung zu beachten ist, damit der Mozzarella bis zur Erreichung des Mindesthaltbarkeitsdatums bleibt, wie er sein sollte. „Jetzt sind wir soweit und freuen uns, dass wir unseren Mühlviertler Mozzarella anbieten können. Unser Mozzarella ist natürlich frei von Konservierungsstoffen, deshalb haben wir für alle Mozzarella-Fans folgenden Tipp: Wer gerne festen Mozzarella isst, sollte ihn ganz frisch gleich nach dem Kauf verzehren. Für jene, die ihn lieber weicher genießen, empfiehlt es sich, bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum zuzuwarten.“

Herausfordernd war für die Aichbauers auch die Suche nach der geeigneten Verpackung. Die Wahl fiel letztlich auf rPET (100% recycletes PET), welches sie beim Biohof Zauner kennen gelernt hatten. Die rPET-Becher können in den Altstoffsammelzentren in eigenen Sammelbehältern entsorgt werden (bzw. könnt ihr sie auch bei uns abgeben und wir bringen sie ins ASZ). Anschließend werden sie zu neuen rPET-Bechern verarbeitet.

Die Produktpalette wird nicht beim Mozzarella enden, so viel ist für die Aichbauers klar. Beinahe verkaufsbereit ist der Mühlviertler Filata im Wachsmantel. Hier arbeiten Bettina und Markus noch am Feinschliff, was Geschmack und Konsistenz betrifft. In Zukunft können sich die beiden auch vorstellen, Grillkäse und Ricotta zu produzieren. „Ideen haben wir viele“, meint Bettina lachend, „denn wenn man mal Feuer für die ‚pasta filata-Welt‘ und diverse italienische Milchprodukte gefangen hat, will man gar nicht mehr aufhören“. Im fordernden Alltag mit drei Kindern und dem landwirtschaftlichen Bio-Betrieb mit etwa 60 Milchkühen bleibt jedoch nur begrenzt Zeit fürs Recherchieren und Experimentieren.

Wir dürfen also gespannt sein, was sich die Familie Aichbauer noch einfallen lässt. Wir freuen uns sehr, dass wir beim Mozzarella nun auf ein wirklich sehr regionales Bio-Produkt zurückgreifen können und sind optimistisch, dass noch viele weitere spannende Bio-Produkte folgen, die Armins italienisches Herz höherschlagen lassen. Danke, liebe Bettina und Markus, für euren Mut, etwas Neues auszuprobieren!

Übrigens: Wer Bio-Schweinefleisch-Produkte vom Höglinger schätzt, genießt auch hier ein Stückerl vom Biohof Aichbauer, denn die Molke dient den Schweinderln als Futter.

Credits: Biohof Aichbauer
Credits: Biohof Aichbauer

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