Das Mühlviertel mit seinen kargen, harten und unebenen Böden, dazu noch die raue Witterung: Keine perfekten Voraussetzungen für Gemüseanbau, möge man denken. Anders sehen dies Andrea und Josef Hofer, die im Einklang mit der Natur und den klimatischen Bedingungen auf 900m2 Ackerfläche etwa 40 verschiedene Gemüsesorten kultivieren und damit zeigen, dass erfolgreicher Gemüseanbau in Oberösterreich nicht dem Eferdinger Becken vorbehalten sein muss.

Eigentlich liegt das auf der Hand: Schon seit vielen, vielen Jahren werden die Gemüsegärten der Bauernhäuser erfolgreich bewirtschaftet, das „Garteln“ im eigenen Garten (und zunehmend auch auf Balkon und Terrasse) boomt. Und dennoch ernten wir in der LieblingsSpeis überraschte Blicke, wenn wir vom Frischgemüse aus unmittelbarer Nähe, nämlich aus Arnreit, erzählen.

Zeit für eine LieblingsSpeisereise nach Arnreit

Die eingangs erwähnten ungewöhnlichen (jedoch nicht widrigen) Voraussetzungen machten uns und unsere Kund*innen neugierig auf Naturfeldgemüse Hofer, ebenso wie die Tatsache, dass der Betrieb derzeit in der Umstellungsphase auf biologische Landwirtschaft ist. Wir fragten Andrea, ob wir eine LieblingsSpeisereise zu ihrem Hof machen dürfen, und Andrea sagte sofort zu. „Es ist wichtig, mit den Menschen darüber zu sprechen, wie unser Gemüse angebaut und geerntet wird, warum es so gut schmeckt und warum dies auch seinen Preis hat“, meinte Andrea. „Viele Konsument*innen machen sich nämlich kaum Gedanken darüber, welchen Ursprung ihr Gemüse hat, was da alles an Chemie eingesetzt wird, und wie sehr es oft an Frische mangelt. Bio im Supermarkt ist ein Fortschritt gegenüber der konventionellen Landwirtschaft. Wir wollen mit unserer schonenden, kleinteiligen Wirtschaftsweise aber noch viel weiter gehen“, erklärte sie. Dies klang tatsächlich sehr vielversprechend für einen spannenden Nachmittag.

Am vergangenen Samstag statteten wir schließlich mit einer kleinen, feinen Runde Naturfeldgemüse Hofer in Etzerreit (Gemeinde Arnreit) im Rahmen der 2. LieblingsSpeisereise einen Besuch ab und wurden dort sehr herzlich empfangen. Andrea und Josef sowie ihre vier lieben Kinder nahmen sich den ganzen Nachmittag für uns Zeit, zeigten uns den Gemüseacker, die Mistbeete, ließen uns frisch geerntetes Gemüse kosten und erzählten mit viel Begeisterung von ihrer Arbeit am Hof.

Die Zeit vorm kommerziellen Gemüseanbau

Der Gemüseanbau für Privatabnehmer*innen (u.a. Foodcoops) sowie Gastronomie und Einzelhändler wie unseren Bioladen ist für die Familie Hofer Neuland. Bis vor wenigen Jahren wurde ausschließlich für den Eigenverbrauch im kleinen Bauerngarten gegartelt.

Haupteinnahmequelle war für Josefs Eltern bis 2009 die Rinderhaltung. Hoferbe Josef entschied sich für einen Beruf außerhalb der Landwirtschaft, und beendete, als seine Eltern in den Ruhestand traten, die Rinderhaltung. Dennoch wollte er die landwirtschaftlichen Gründe nicht verpachten oder völlig brachliegen lassen und entschied sich für eine wenig arbeitsintensive Kurzumtriebsplantage mit Pappeln (mir war der Begriff neu; die Idee dahinter ist, durch die Anpflanzung schnell wachsender Bäume innerhalb kurzer Umtriebszeiten Holz-Hackschnitzel zu produzieren), das Heuen der Wiesen und Erdäpfel- und Gemüseanbau sowie Tierhaltung für den Eigenverbrauch.

Die Jahre vergingen, die vier Kinder erblickten das Licht der Welt, und eines Tages kam dann der Zeitpunkt, an dem sich Andrea und Josef fragten, wie es bei Andrea nun beruflich weitergehen sollte: Rückkehr in den Ursprungsberuf (Büroarbeit) oder doch etwas Flexibleres, Eigenständiges am Hof? Letzteres erschien der Familie sehr reizvoll, die anschließende Beratung durch die Bauernkammer wenig erfreulich: Die Betriebsflächen seien zu klein, es wäre besser für sie, wenn auch Andrea auswärts arbeiten gehen würde. „Uns wurde eingeredet, dass so ein kleinteiliger Landwirtschaftsbetrieb kein Potenzial habe. Entweder groß oder gar nicht, lautete die Devise“, ärgerte sich Andrea.

Die Hofers wollten sich mit dieser Empfehlung nicht zufriedengeben und suchten fieberhaft nach einer Bewirtschaftung bzw. Produkten, die für Andrea und Josef neben der Betreuung der vier Kinder (Andrea) und einem Vollzeitjob (Josef) geeignet und realistisch waren. So wurde beispielsweise der Kräuteranbau ausgeschlossen, da Andrea und Josef die Erntespitzen nicht mit eigener Kraft bewältigen hätten können. Ziel war eine Tätigkeit, die von Andrea vor allem vormittags gut erledigt werden konnte und ganzjährig halbwegs gleichmäßige Auslastung schaffte.

Gemüseanbau – mit und für die Natur

Nach viel Recherche und Gesprächen war das Betätigungsfeld für Andrea, die den Hauptteil der Arbeit am Betrieb erledigt, gefunden: der Gemüseanbau. Für die Hofers war völlig klar, dass dies den Richtlinien für biologische Landwirtschaft entsprechend erfolgen sollte – die Umstellung auf biologische Landwirtschaft war insofern ein logischer Schritt (und ist mit kommendem Jahreswechsel abgeschlossen).

„Mut bedeutet, den eigenen Weg zu gehen. Etwas Neues zu wagen, ohne zu wissen, was kommt. Das ist sicher die größte Herausforderung im ersten Jahr (2020, Anm.) gewesen“, meint Andrea. Schmunzeln erzählte sie, dass sie erst lernen musste, einen gewissen Grad an Unordnung am Feld zuzulassen: „Am Anfang wollte ich es immer ganz ordentlich haben und habe jegliches Beikraut entfernt. Mittlerweile weiß ich, dass ein gewisser Anteil an Beikraut sehr wohl einen großen Nutzen hat. Beispielsweise ist das Beikraut mitunter für die Läuse interessanter als das Gemüse. Da ist es besser, auch mal was stehen zu lassen, damit das Gemüse in Ruhe wachsen kann“, erzählte sie uns.

Entlang des Gemüseackers (der, um nicht Rehen oder Hasen zum Opfer zu fallen, mittlerweile eingezäunt wurde) steht ein so genannter Nützlingsstreifen, der, wie der Name schon sagt, vielen Nützlingen ein Zuhause bieten soll. Diese wiederum sollen Schädlingsbefall am Acker verhindern helfen, was bisher sehr gut gelingt. Andrea erzählt, dass dort unter anderem viele Kröten wohnen.

Die Natur für sich arbeiten zu lassen und mit der Natur gemeinsam zu arbeiten, ist den Hofers besonders wichtig. Deshalb möchten sie sogar auf im Biolandbau zugelassene Mittel wie Kupfer verzichten, und setzen stattdessen Effektiven Mikroorganismen (EM) und pflanzliche Jauchen ein.

Experimentieren, beobachten, daraus lernen – nach diesem Grundsatz arbeitet Andrea, wenn es beispielsweise darum geht, den passenden Abstand zwischen den Pflanzen zu wählen, die Fruchtfolge zu bestimmen und die Bewässerung einzustellen. Dieses fortdauernde Lernen und Ausprobieren macht ihr großen Spaß und die Zuhörer*innen merken, dass Andrea eine große Menge Fach- und Hintergrundwissen aufgebaut hat.

Großer Schock: Hagelsturm

So manches Experiment konnten Andrea und Josef heuer leider nicht zu Ende führen. Der Hagelsturm im Mai zerstörte binnen 20 Minuten monatelange Arbeit der Hofers und der Natur. Frust und Schaden waren, wie man sich vorstellen kann, enorm. Die Spuren der Hageleinschläge sind heute an den Sellerieknollen noch deutlich sichtbar, vieles vom Gemüse hat gar nicht überlebt (z.B. Salate) oder ist zwar wieder ausgetrieben, konnte jedoch den Zeitverlust nicht mehr wettmachen und ist insofern nicht mehr entsprechend gereift (z.B. Kraut). Die Hofers sind jedoch zuversichtlich, nächstes Jahr so manchen Versuch mit verschiedenen Sorten und Bepflanzungen nachholen zu können und haben den großen Schock mittlerweile verdaut.

Ein gutes Team

Andrea und Josef wirkten auf mich wie ein wirklich gutes Team, das mit großer Freude an die Arbeit geht. Während Andrea das Mastermind bezüglich Hegen und Pflegen des angebauten Gemüses inklusive Jungpflanzenzucht und Versuchsanordnungen ist, kümmert sich Josef um den passenden Kompost mit Ernteresten, vermengt mit biologischem Pferde- bzw. Schweinemist, tüftelt gemeinsam mit HTL-Schüler*innen an der Beregnungsanlage, und erledigt diverse Handwerksarbeiten. Das Hochbeet an sich ist schon ein Meisterstück, mit dem prächtigen Inhalt (derzeit noch Tomaten und Melanzani) natürlich noch schöner.

Wir sind begeistert vom Naturfeldgemüse

Andrea und Josef versprühen Stolz, wenn es um die Qualität ihres Gemüses und ihre Wirtschaftsweise (ohne Traktor) geht, und sehen auch einen Auftrag damit verbunden: Dieses Bewusstsein für gesunde, natürliche Produkte und den Kreislauf der Natur auch an die nächste Generation weiterzugeben und Menschen in der Region für ihr Naturfeldgemüse zu begeistern. Bei uns LieblingsSpeisereisenden ist ihnen das definitiv gelungen, und wir möchten diese Begeisterung auch unseren Kund*innen vermitteln, die jede Woche eine kleine, feine Auswahl an Naturfeldgemüse in der LieblingsSpeis vorfinden.

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